Das “Futures Mindset”

und warum wir lernen müssen mit der Unsicherheit der Zukunft zu tanzen!

Stellen wir uns einmal vor unser Unternehmen bekommt die Mission den Weltraum zu erkunden. Wie würden wir uns dieser Mission stellen? Wahrscheinlich sollten wir zunächst anfangen den Weltraum zu studieren, dessen physikalische Eigenschaften erforschen und die möglichen Risiken und Herausforderungen abwägen. Dann würden wir uns alternative Möglichkeiten überlegen, wie wir unser Missionsziel erreichen könnten. Außerdem sollten wir unser Team mit den benötigten Tools vertraut machen und ihre Fähigkeiten erweitern, damit sie sich im Weltraum gut zurechtfinden können. Zuletzt würden wir dieses Team behutsam auswählen, je nachdem wer welche Fähigkeiten im Training bewiesen hätte, würden wir ein möglichst vielfältiges Team zusammenstellen. Am Ende sollten wir uns dann gut vorbereitet fühlen und wären sogar voller Vorfreude endlich das Universum weiter zu erkunden.

So  ähnlich verhält es sich mit der Zukunft. Die Zukunft ist auch ein sehr unsichererer, komplexer Ort. Warum sollten wir also unser Team und Unternehmen ohne jegliches Training oder bestimmter Zukunftsfähigkeiten auf diese Reise schicken? Um mit dieser Unsicherheit umzugehen, bedarf es einer angepassten Denkweise. So lässt sich die Komplexität begreifen und die Zukunft befähigt erkunden. Es bedarf einem “Futures Mindset” – einer bestimmten Zukunftsdenkweise, die es einem diversen Team ermöglicht  eine Vielzahl von alternativen Zukünften zu erforschen. Dadurch kann man viele zukünftige Herausforderungen und Chancen frühzeitig erkennen. 

In der Schule hat man uns Geschichte gelehrt und dadurch haben wir gelernt mit der Vergangenheit umzugehen. Doch niemand hat uns erzählt, wie wir über die Zukunft denken sollen oder diese sogar gestalten können. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, und jeder, der sich immer noch eine Glaskugel wünscht um vorherzusagen was genau passiert, den muss ich leider enttäuschen. Am liebsten hätten wir die Zukunftsvorhersage wie den Wetterbericht, damit wir uns darauf einstellen und uns vorbereiten können.  Jedoch, wie oft haben wir den Regenschirm zu Hause gelassen und wurden dann doch vom Unwetter überrascht? Genauso verhält es sich auch mit der Zukunft. Wir können uns noch so gut vorbereiten, es werden immer unvorhersehbare Ereignisse auftreten, wie eine Pandemie und der darauf gefolgte Lockdown. Deswegen müssen wir lernen mit der Zukunft zu tanzen und eine positive Zukunftsdenkweis entwickeln, die uns hilft die Zukunft zu erkunden, und uns gleichzeitig genug Gelassenheit gibt mit der bleibenden Unsicherheit umzugehen.

Hierzu möchte ich kurz die drei Grundprinzipien der Zukunftsdenkweise erklären:

Anstatt von einer Zukunft sollten wir vielmehr von Zukünften sprechen, denn die Zukunft ist noch nicht geschrieben und deswegen kann man die verschiedenen Zukunftspfade vielmehr erkunden, ähnlich wie auf einer Landkarte. Hierzu gibt es über 80 Methoden der Zukunftsforschung oder des Strategic Foresight (strategischer Vorausschau), die uns dabei helfen können, die Komplexität der Zukünfte zu reduzieren, um somit bessere Entscheidungen in der Gegenwart zu treffen. Wir erstellen dadurch Zukunftskarten, die uns verschieden Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung aufzeigen, indem sie unterschiedliche Handlungsempfehlungen für den jeweiligen Zukunftspfad bereitstellen.

#2 Die Zukunft ist kein linearer Zeitstrahl, sondern vielmehr ein Gestaltungsraum

Oftmals sehen wir die Zeit linear, so wie es gestern war, wird es vermutlich morgen weiter gehen; doch dann sind wir zutiefst überrascht, wenn es auf einmal ganz anders kommt. Sehen wir die Zukunft mehr als einen Kegel, der sich von der Gegenwart in verschiedene mögliche Zukünfte fächert, dann entsteht in dieser Fläche ein Gestaltungsraum, den wir durch unsere heutigen Entscheidungen definieren. Die Zukunft fächert sich somit in mehrere Möglichkeiten von plausiblen, möglichen, absurden und bevorzugten Zukünften auf. Diese verschiedenen Ausprägungen gilt es zu erkunden, um so heute die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen, die in die bevorzugte Zukunft führt, ohne die anderen Zukünfte zu missachten. Die Zukunftsdenkweise ist also ein Gedankenexperiment, um unser Gehirn zu trainieren mit Unsicherheit umzugehen und handlungsfähig zu bleiben.

 

#3 Die Zukunft ist nicht fix, sondern wir können sie durch unsere täglichen Handlungen beeinflussen

Oftmals stellen wir uns den Weg in die Zukunft wie auf einem reißenden Fluss vor. Wir versuchen gegen die Fließgeschwindigkeit anzukämpfen, aber im Prinzip können wir nur kleine Bewegungen nach links oder rechts steuern, und werden dann doch von der Strömung mitgerissen. Dieses Gefühl haben wir oftmals, wenn wir uns zu sehr mit der Gegenwart beschäftigen und dabei sind akute “Brände” in der Organisation zu löschen, anstelle vorausschauend zu denken. Denn eigentlich befinden wir uns nicht auf einem Wildwasserfluss, sondern der Weg in die Zukunft ist mit der Reise auf einem Segelboot auf hoher See zu vergleichen. Hier müssen wir uns Herausforderungen wie Unwettern und hohen Wellen stellen, und werden auch bestimmt des öfteren von unserer bevorzugten Route abgedrängt, dennoch werden wir in der Lage sein unser Ziel durch aktives Steuern zu erreichen, auch wenn es vielleicht länger dauert als erwartet. Hierfür müssen wir nur bestimmte Fähigkeiten erlernen.

    1. Neugierde und Empathie – um möglichst viele Wege der Zukunft zu erkunden und andere Weltansichten zu verstehen.
    2. Kreativität und Mut – um sich immer neue Erscheinungsformen der Zukunft auszudenken und auch verrückte Ideen zu beleuchten, denn wie können wir sonst unser Gehirn auf Überraschungen vorbereiten.
    3. Diversität – um eigene Gedankenmuster zu durchbrechen und neue Blickwinkel in Betracht zu ziehen.
    4. Flexibilität – um nicht auf vergangenen Entscheidungen zu beharren, sondern sich neuen Situationen schnell anpassen zu können.
    5. Denken in Alternativen – um möglichst viele Zukünfte zu erforschen, und so unser Gehirn darauf trainieren auch alternative Lösungswege zu finden.
    6. Systematisches Denken – um auftretende Erscheinungen zu kombinieren.
    7. Kritisches Denken – um bestehende Ansichten kritisch zu hinterfragen, um so neue Lösungswege zu erkunden.

Die Zukunft ist noch ein unbeschriebenes Blatt und es liegt an uns ihre möglichen Ausprägungen nicht nur zu erkunden, sondern eine wünschenswerte Zukunft bereits heute aktiv zu gestalten. Denn jede Entscheidung, die wir in der Gegenwart treffen, beeinflusst die Zukunft, die wir dadurch definieren. Und jede Zukunft, die wir uns vorstellen, beeinflusst gleichzeitig wie wir unsere heutigen Entscheidungen treffen. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass viele neben uns gleichzeitig versuchen die Zukunft zu beeinflussen. Unsere bevorzugte Zukunft ist dabei also immer eine Anpassung an neue Ereignisse und eine Beeinflussung durch Entscheidungen, deren langfristigen Auswirkungen wir durchdacht haben.

q & A

Oftmals versuchen Unternehmen sich auf die Zukunft vorzubereiten, indem sie

ihr Kerngeschäft mit allen Mitteln verteidigen, sei es durch staatliche Subventionen oder Preiskämpfe. Leider wird hierdurch der Zeitpunkt verpasst, sich an die sich verändernde Zukunft anzupassen und sich neu zu definieren. Anstatt auf aktuelle Produkte und Serviceleistungen zu beharren, sollten man sich fragen, was sind unsere Kernkompetenzen, worin sind wir richtig gut, z.B Prozessgestaltung, Kommunikation, ein bestimmtes Verfahren. Dann schaut man sich an, welche zukünftigen sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen, politischen oder technischen Herausforderungen stehen uns bevor und wie könnte unser Unternehmen diese Probleme mit unseren Fähigkeiten lösen, um dadurch eine bessere Zukunft zu gestalten. Indem man sich an künftigen und langfristigen Problemen orientiert, bleibt man mit der Zukunft in Verbindung und ist dadurch zukunftsrelevant.

Ich denke Start-Ups haben den Vorteil , dass sie, solange sie klein sind, agil bleiben und sich relativ schnell auf neue Marktgegebenheiten einstellen können. Eine lange Tradition kann dagegen zu einer Industrieblindheit führen, so dass man sich zu sehr auf Bewährtes verlässt, ohne die sich anbahnenden Veränderungen zu erkennen. Dann kann man irgendwann nur noch reagieren und der Zukunft hinterherrennen anstelle sie selbst aktiv mitzugestalten. Deswegen muss man sich und sein Geschäftsmodell ständig hinterfragen, indem man mit ‘Was wäre wenn…” Szenarien spielt und somit überprüft, welche Veränderungen das Business Modell obsolet machen. Indem man sich selbst vorstellt, welche Ereignisse dem eigenen Unternehmen gefährlich werden könnten, kann man diese rechtzeitig erkennen und hat bereits mehrere Handlungsalternativen in der Hinterhand.

Ich würde bei Zukunftsüberlegungen immer bei einer Zeitspanne von zehn und mehr Jahren beginnen, denn innerhalb von fünf Jahren bleiben wir zu sehr in unserer eigenen Realität und werden größere Veränderungen schneller mit, “das ist in diesem Zeitrahmen überhaupt nicht möglich”, abtun. Auch wenn unsere strategische Planung vielleicht nicht mehr als drei bis fünf Jahre reicht, so ist es immer einfacher eine Zehn-Jahres-Überlegung zurück in diesen kurzfristigen Zeitrahmen zu bringen und dabei die langfristigen Ideen bereits umzusetzen, als nicht weit genug über das aktuelle Umfeld geschaut zu haben. Prinzipiell sollte man immer in alternativen Zukünften denken und sich mindestens fünf verschiedene Ausprägungen, so genannte Szenarien über die Zukunft überlegen. Erst danach überlegt man sich seine bevorzugte Zukunft und wie man diese erreichen will. Kommt es dann doch anders als geplant, hat man alternative Strategien und kann seinen Handlungsspielraum schnell durch die vorab getätigten Überlegungen erweitern.

Es gibt viele Wege, um Futurist zu werden. Viele steigen über ein zweites Studium ein, weil sie sich nochmals beruflich verändern wollen.  Andere fangen praktisch an und kommen über strategische Felder zu dieser Fachrichtung. Bei mir war es eine Kombination aus beiden. Als ich damals noch in der Corporate Strategie eines großen Unternehmens war, wurde mir die Aufgabe gestellt, herauszufinden welche neuen Trends es geben wird, auf die man sich einstellen muss. Bei meiner Recherche bin ich auf Szenarien und Strategic Foresight gekommen. Nachdem ich mir zunächst die Szenarienentwicklung selbst beigebracht habe, fand ich das Thema sehr spannend, sodass ich meinen Master of Strategic Foresight in Melbourne, Australien absolviert habe. Dort habe ich gelernt, dass zur Zukunftsdenkweise sehr viel mehr als nur Trends und Szenarien gehören – nämlich eine sehr offene und hinterfragende Einstellung – das Futures Mindset. Dadurch schaut mal sich systematisch und ganzheitliche zukünftige Auswirkungen auf folgende Bereiche unseres Lebens an: sozial, technologisch, umwelttechnisch, ökonomisch und politisch und versteht so zukünfte komplexe Ereignisse besser zu deuten und baut eine Zukunftsflexibilität auf, die es einem ermöglicht mit hoher Unsicherheit umzugehen.

Mich fasziniert an der Zukunft, dass sie langfristig noch relativ offen und frei gestaltbar ist. Wenn man diese Grundsätze einmal verstanden hat, ist es toll zu sehen wie bei vielen Menschen die Zukunftsangst zur Zukunftsfreude werden kann. Indem man erkennt, dass unsere täglichen Entscheidungen ganz große Auswirkungen auf die Zukunft haben können und selbst das kleinste Unternehmen eine ganze Industrie verändern kann ist es wichtig zu verstehen, dass die Zukunft sehr eng mit der Gegenwart verknüpft ist. Denn wie wir heute über die Zukunft denken, beeinflusst maßgeblich welche Entscheidungen wir treffen, die wiederum unsere Zukunft gestalten. Denke ich also eher negativ und pessimistisch über die Zukunft ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass dies auch tatsächlich eintrifft, da ich unterbewusst meine Entscheidungen danach ausrichte und auch meine Wahrnehmung von Informationen davon geprägt wird. Deswegen kann ich nur jeden dazu ermutigen sich zu zwingen auch positiv über die Zukunft zu denken. Je mehr alternative Zukünfte wir uns überlegen, desto mehr Handlungsfreiraum haben wir in der Gegenwart.  Auch von der Vergangenheit können wir lernen, um Fehler nicht zu wiederholen. Manchmal müssen wir uns aber auch bewusst von Vergangenem oder Traditionen lösen, damit wir frei sind, um uns neue Zukünfte zu überlegen und diese dann zu erreichen.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass jedes Kind und jeder Erwachsene lernt mit der Zukunft umzugehen und wir mehr über alternative Zukünfte sprechen, damit  wir erkennen welche Macht wir in der Gegenwart besitzen eine bevorzugte Zukunft zu gestalten, anstatt nur zu versuchen uns passiv auf die Zukunft vorzubereiten. Dafür müssen wir uns aber von alten Denkstrukturen lösen und offen für Veränderung sein. Aktive Gestaltung heißt nicht, an der Vergangenheit festzuhalten, denn Veränderung ist durchaus positiv, wenn man sie aktiv mitgestalten kann. Dennoch wird man bestimmten Markt- und Umweltbedingungen sowie unvorhersehbaren Events ausgesetzt sein. Mit der Zeit bekommt man Übung darin mit der Gestaltung, Anpassung und Improvisation zu balancieren.  Zuletzt würde ich mir wünschen mehr positive Zukünfte in den Medien zu sehen, damit wir für die positiven Signale empfänglicher werden und diese in der Gegenwart erkennen.

Hi! Ich bin Tanja

Zukünfte sind meine große Leidenschaft und es macht mir großen Spaß Menschen für dieses Thema zu begeistern. In meinem Blog fasse ich die Prinzipien des Futures Mindsets zusammen, biete Inspiration zur Zukunftsgestaltung und wecke Zukunftsfreude, indem ich Menschen dazu befähige das Thema Zukunft auf eine neue Art zu verstehen.

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